In der sterbenden Welser Innenstadt fand dieses Jahr erstmals eine gemeinsame linke 8.März-Aktion statt, denn der kapitalistische Wahnsinn kann nicht von nur einer Hälfte der Bewegung alleine bekämpft werden. Ein guter Auftakt um das Thema der Frauenbefreiung auch abseits von Quotendiskussionen für irgendwelche Vorstandsetagen in die Öffentlichkeit zu tragen.
Weiteres zur Aktion hier: http://wp.welsgegenrechts.at/2011/03/11/spontane-storaktion-in-innenstadt-am-8-marz/
Zusätzlich noch der Hinweis, dass am 12. März ab 16:00 noch das Arbeiterinnenfest der DIDF-Frauengruppe in der Pfarre St. Josef Pernau, Haidlweg 58 statt findet.
Ps:/Update: Samstag, nach der 8.März Aktion, kam es bei einem Treffen zu einer lebhaften Diskussion mit aks-Vertreterinnen über die Forderung nach Frauenquoten in Aufsichtsräten… Ohne böse Absicht unterstellen zu wollen und ohne das Thema Quoten/Feminismus komplett aufzuarbeiten, 2 wichtige Punkte zu dieser Forderung:
1. Wer kann von Quoten in Konzernvorständen profitieren?
Es ist durchaus möglich als Linke für benachteiligte Gruppen Forderungen zu erheben, von denen Reiche teilweise mitprofitieren können. So könnte eine Abschaffung des Fremdenrechts auch Vorteile für ausländische UnternehmerInnen bringen. Aber von Quoten in hohen Konzerngremien können ausschließlich NUR die profitieren, die ohnehin schon fast ganz oben sind: Priviligierte und wohlhabend-sozialisierte Frauen mit besten Familien- und Partei-Seilschaften, aber leider ziemlich sicher ohne linkes Bewusstsein. Niemand anders als Managerinnen profitiert also direkt von dieser Forderung, wobei uns Linken die Aufstiegsinteressen von bestimmten ManagerInnen durch normal mehr als egal sind?
Wie denken hart arbeitende Frauen über uns, wenn von unserer “prominentesten” Forderung nicht sie, sondern ihre eigenen Ausbeuterinnen direkt profitieren?
2. Welches “genetische” Weltbild steckt hinter dieser Forderung?
Konfrontiert mit diesem Argument wird neben schwer nachweisbaren symbolischen und indirekten Effekten auf untere Einkommensschichten folgendermaßen argumentiert: “Ja, diese Frauen werden ja dann darauf hinweisen, dass Frauen allgemein um 25% weniger verdienen, und beginnen dies zu ändern.” Diese Aussage unterstellt, dass diese Managerinnen nicht nur zufällig sondern quasi unfreiwillig solidarisch mit Arbeiterinnen sein müssen. Und weil an der Spitze so ziemlich jedeR noch seine/ihre sozialen Wurzeln vergessen hat, all das mit der Erklärung: Weil sie einfach auch Frauen sind.
Und damit wären wir dann bei einem Weltbild, wo Menschen nicht durch ihre Sozialisation oder politisches Bewusstsein (=freier Wille!) geprägt sind, sondern durch ihre Gene. Eine ganz ähnliche Argumentation gab es schon mal: “Mehr Deutsche UnternehmerInnen bringen den Deutschen ArbeiterInnen bessere Arbeitsbedingungen…” Anstatt also ein genetisch determiniertes, und damit rechtes, Weltbild nur umzudrehen und “positiv” zu verwenden, muss die Linke sagen: Alle Menschen sind gleich, auch Frauen und Männer unterscheiden sich nur ca. 2 mal 9 Monate im Leben. Wie auch zwischen den “Rassen” erklären sich alle sonstigen Unterschiede durch Sozialisation und Kapitalismus.
Und wenn mensch sich nun freuen will, weil sogar Regierungen wie die in Österreich oder Italien feministische Forderungen beschließen, dann darf mensch sich nicht im Strudel dieser konservativen “Umdeutung” der Frauenbewegung mitreißen lassen. Auch die Regierungsbeschlüße anzupragern lenkt uns Linke wohl eher ab. Viel mehr gilt es in den eigenen Reihen jeglichen Sexismus zu bekämpfen und klar die eigene Position nach außen zu tragen:
Die Befreiung der Frauen, wie die der Arbeiterklasse [im historischen Sinne hier bewusst ohne -Innen], MigranntInnen, Minderheiten… sind integraler Bestandteil eines gemeinsamen Kampfes, mit gemeinsamen Forderungen, die direkt bei den alltäglichen Lebensproblemen (vor allem der “mehrfach Unterdrückten”) ansetzen. Wenn mensch nur das Eine oder das Andere isoliert sehen will, bringt uns beides gleich wenig weiter.
(Es handelt sich hier um einen Diskussionsbeitrag zu einem Aspekt, der in dieser Kürze natürlich nicht alles abdeckt. Der Autor wünscht sich eine Focusverschiebung in der Debatte und kämpft ausdrücklich für eine Beteiligung bzw. Vertretung von Frauen und auch MigranntInnen, Lehrlingen… in der Linken – und zwar ihrem Anteil in der Bevölkerung entsprechend!)
Dank einer weiteren Diskussion fand sich dazu noch ein Zitat, das auch heute immer noch passt: “So wies Clara Zetkin, eine Vertreterin der proletarischen Frauenbewegung, auf den grundlegenden Zusammenhang von Geschlecht und Klasse hin. Gleichzeitig kritisierte sie, dass die damalige Frauenbewegung nur auf die Interessen von bürgerlichen Frauen einging. Eine tatsächliche Befreiung aller Frauen könne jedoch erst dann stattfinden, wenn die Klassensklaverei abgeschafft sei.”
http://de.wikipedia.org/wiki/Intersektionalit%C3%A4t
Weitere Argumente aus der Diskussion: “[...] Alle Linken, die das als Erfolg feiern und klatschen, sind da aber einem Integrationsmanöver der Eliten ziemlich auf den Leim gegangen. Das Häckchen in der ToDo-Liste bei ‘Emanzipation der Frau’ in den Köpfen vieler weiterer Menschen wird schon gesetzt sein. Real geändert hat sich dann, wenn überhaupt, nicht viel.”
“[...]Was bringt es, wenn die AusbeuterInnen ab jetzt eben auch nicht nur mehr männlich sind? Es geht mir auch nicht um die Unterteilung in gute und schlechte Frauen, ihre soziale Stellung spielt aber schon eine Rolle. Ich befürchte aber eben auch, dass durch diese Reform eben andere Forderungen wie gleicher Lohn für gleicher Arbeit – die übrigens wirklich alle Frauen betrifft – die wesentlich mehr emanzipatorisches Potential darstellen, schlichtweg untergehen werden.”
Auch passend dazu ein Teil des revolutionäre Jugend-Statements aus Wels vom Dezember 2010:
“♥ Für eine revolutionäre Frauen-Bewegung!
Die vielversprechenden Ansätze der revolutionären Frauenarbeit in Wels werden wir wieder beleben, vor allem am 100 Jahr Jubiläum des internationalen Frauenkampftags am 8. März 2011.
Denn nach wie vor muss jegliche Rollenverteilung und Ungleichbehandlung in allen Bereichen aufgehoben werden, was genauso wir der Kampf gegen Rassismus ein Ziel der gesamten Bewegung sein muss!
Ohne Revolution keine Befreiung der Frau – ohne Befreiung der Frau keine Revolution!”
http://roteswels.at/?p=873