PA: SPOÖ Parteitag – Offener Brief an die Parteibasis
SPOÖ Parteitag 2011: Offener Brief an die Parteibasis in den Gemeinden und den Betrieben
Liebe Genossin, Lieber Genosse,
Die Sozialdemokratie steht vor dem Scheideweg der Zeit. Entweder sie verfolgt weiter eine Politik, die uns und die Welt in den Abgrund der kapitalistischen Krise stürzt – oder sie besinnt sich zurück auf ihre kämpferischen Wurzeln, die wirklich sozialdemokratisch sind, und füllt den nutzlosen und leeren Erfüllungsgehilfen des Kapitals, zu dem die SPÖ geworden ist, wieder mit Inhalten.
Die SPOÖ feiert sich selbst als erneuert und spricht von “morgen.rot”. Tatsächlich aber hat und wird der morgen.rot-Prozess niemals zu einer realen Erneuerung führen.
Warum nicht? Weil er von der Spitze der Partei angeordnet wurde und nicht von der Basis der Sozialdemokratie in den Gemeinden, Sektionen, Betrieben und Gewerkschaften ausging. Wir wurden zwar zu den morgen.rot-Veranstaltungen eingeladen, um uns unseren Frust von der Seele zu reden, aber wirklich entscheiden lässt uns niemand. morgen.rot wird die Partei nicht retten können. Die Erneuerung kann und wird nur von unten kommen.
Denn es waren die Berufspolitiker an der Spitze der SPÖ, welche die Sozialdemokratie in die katastrophale Lage gebracht hat, in der sie sich heute befindet. Genau diese sind es auch, die nun behaupten sie werden mit morgen.rot die Partei erneuern. Aber eigentlich wollen sie gar nichts verändern, sondern nur ihre Positionen innerhalb der SPÖ und des Staates erhalten. Vor echter Veränderung haben sie Angst.
Aus diesem Grund liegt es an uns, den Aktiven ganz unten in der Befehlskette der Parteihierarchie, aus Trümmern eine neue Partei aufzubauen, die sich ihrer Vergangenheit bewusst ist und, der Härte der Weltwirtschaftskrise entsprechend, agiert. Nur wenn die Basis organisiert Druck auf die Parteispitze macht, kann wieder eine SPÖ entstehen, die tatsächlich für sozialdemokratische Werte kämpft.
Nur so können wir erreichen, dass man wieder stolz und offen sagen kann, “Ich bin Sozialdemokrat/in”.
Um das zu erreichen brauchen wir keine weitere „Parteireform“, sondern eine Bewegung der Basis.
Denn immer wieder stimmen SPÖ-Abgeordnete für Dinge, die bei der breiten Masse der SozialdemokratInnen auf große Ablehnung stoßen. Beispiele dafür sind die massiven Kürzungen bei pro.mente oö und bei der oö. Spitalsreform.
Beim ständigen Paktieren mit der ÖVP auch auf Bundesebene hatte die Basis nichts mitzureden. Ergebnis sind unsoziale Kürzungspakete durch die Bundesregierung, oder die Zerstörung der Lebensgrundlagen von Millionen GriechInnen als Teil der jüngsten Bankenrettungspakete.
Wären (wie von uns im Bezirk Wels beantragt) die Abstimmungen über bevorstehende Gesetze und Budgets in den Bezirksausschüssen bindend für die jeweiligen Abgeordneten, hätte die Basis als ersten Schritt einmal die Möglichkeit das Allerschlimmste für die arbeitende Bevölkerung zu verhindern.
Massive Kürzungen garniert mit ein bisschen Reichensteuer sind kein Weg aus der Krise, wenn sogar schon renommierte Wirtschaftsberater die Verstaatlichung aller Banken kommen sehen.
Die ArbeiterInnenbewegung muss für die Überwindung dieses ständig krisenhaften Systems kämpfen!
Aber wenn wir Faymann und seiner Clique die Parteiführung überlassen und zu allem nur still mit dem Kopf nicken, tragen wir Mitschuld für den Untergang der Sozialdemokratie. Wir müssen etwas tun!
Aber womit die SPÖ derzeit ihre Wähler sucht wird sie diese nicht finden. Anstatt im Sinne von „mehr Sicherheit“ Dinge zu fordern, die direkt aus dem Programm der FPÖ abgeschrieben sind, sollte sie lieber einmal darüber nachdenken: Wer sind die ArbeiterInnen und kleinen Angestellten die wir zu vertreten haben? Es sind zu einem großen Teil MigrantInnen und ÖsterreicherInnen mit migrantischen Wurzeln.
Gleichzeitig überlässt die SPÖ-Spitze die berechtigte Kritik an den endlosen Spar- und Bankenrettungspaketen der FPÖ. Damit profitieren vor allem die Blauen von der Krise und verbreiten auch in unseren eigenen Reihen eine latente Fremdenfeindlichkeit. Diese führt zur Spaltung und Schwächung der ArbeiterInnenschaft, egal ob es nun gegen „Tschuschen“, Türken oder Griechen geht!
Um die Partei wirklich zu erneuern müssen wir uns organisieren, mobilisieren und Entscheidungen von oben kritisch hinterfragen. Jede und jeder der ernsthaft für die Zukunft der Bewegung einstehen möchte sei herzlich eingeladen uns anzusprechen oder uns zu schreiben an: roteswels@gmail.com
Denn nicht wir sind in der Krise sondern das System und die Politik die man uns aufzwingt!
mit sozialistischen Grüßen,
die sozialistische Jugend hier in Wels www.roteswels.at





Die SJ Weißkirchen ist eine Gruppe von SchülerInnen und jungen HacklerInnen, die links und antifaschistisch aktiv sind: